DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR PSYCHOLOGISCHE SCHMERZTHERAPIE UND -FORSCHUNG E.V.

Gesichtsschmerzen

Für Schmerzen in den Bereichen Gesicht, Kiefer oder Mund gibt es viele mögliche Ursachen wie Entzündungsprozesse, Nervenschädigungen, Gelenk- oder Muskelbeschwerden. Dies erfordert eine sorgfältige Diagnostik mit Beteiligung unterschiedlicher Fachärzte wie Neurologen, Zahnärzte, Hals-Nasen-Ohrenärzte und Kieferorthopäden. Da im Falle chronischer Schmerzen oft auch psychische oder soziale Belastungen den Krankheitsverlauf und die einhergehende Beeinträchtigung mit beeinflussen, sollten diese ebenfalls frühzeitig berücksichtigt werden.

Krankheitsbilder

Zu den häufigsten Krankheitsbildern zählen die Kaumuskel- und Kiefergelenkbeschwerden, die auch als Cranio-Mandibuläre Dysfunktion (CMD) bezeichnet werden. Typisch sind ein- oder beidseitige Schmerzen im Bereich der Wangen und/oder Schläfen, welche auch in die Zähne und/oder den Ober- und Unterkiefer ausstrahlen können. Unterschieden werden Schmerzen durch Verschleiß oder entzündliche Veränderungen des Kiefergelenks sowie Schmerzen durch hohe Anspannung der Kaumuskeln. Häufig pressen Betroffene unbewusst die Zähne, Zunge und/oder Lippen zusammen oder Knirschen mit den Zähnen (sogenannter Bruxismus), was häufig auch stressbedingt sein kann.

Helfen können Physiotherapie mit v.a. Anleitung von Eigenübungen (Selbstmassage, Lockerungsübungen) und/oder das Tragen einer Aufbissschiene. Bewährt haben sich zudem Entspannungsverfahren, Biofeedback und Stressbewältigung, welche häufige Bestandteile schmerzpsychotherapeutischer Behandlungen sind. Zahnärztliche oder chirurgische Eingriffe sollten nur nach gründlicher Abwägung erfolgen, weil sie sonst zu einer behandlungsbedingten Beschwerdezunahme führen können.

Eine Trigeminusneuralgie ist gekennzeichnet durch sehr heftige, kurzzeitige (Sekunden bis zu 2 Minuten anhaltende) Schmerzattacken im Ausbreitungsgebiet eines oder zweier Äste des Nervus Trigeminus (Gesichtsnerv mit drei Endästen). Am häufigsten sind der Unter- und/ oder Oberkiefernerv betroffen. Die Beschwerden sind nahezu immer einseitig. Die Schmerztattacken können spontan auftreten oder beim Kauen, Sprechen, Zähneputzen, durch Kälte oder Berühren der Haut ausgelöst werden. Die Trigeminusneuralgie wird vermutlich ausgelöst durch einen zu engen Kontakt eines Blutgefäßes zum Nerv. Dadurch wird der Nerv gedrückt und reagiert mit Schmerzimpulsen.

Bei der Trigeminusneuropathie ist es zu einer Verletzung oder Erkrankung des Nervs gekommen. Ursache können Operationen (z. B. Weisheitszahnentfernung, Hals-Nasen-Ohren-Operationen), Verletzungen (z. B. durch Unfälle) oder andere Erkrankungen sein. Das kann sich neben Schmerzen auch durch ein Taubheitsgefühl oder andere Missempfindungen bemerkbar machen.

Trigeminusschmerzen werden in erster Linie mit Medikamenten (v.a. Antikonvulsiva) behandelt. Lässt sich auf diesem Wege keine Linderung erzielen, kann möglicherweise ein operativer Eingriff helfen.

Anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz (auch als atypischer Gesichtsschmerz bezeichnet)

Das Wort „idiopathisch“ bedeutet, dass die Ursache nicht bekannt ist. Häufig bleibt der Schmerz nach der Behandlung eines Zahnes oder Kieferabschnittes bestehen, obwohl diese Erkrankung bereits abgeklungen ist. Es handelt sich meist um einen Dauerschmerz wechselnder Intensität, welcher schlecht lokalisierbar ist und oft als dumpf und in der Tiefe wahrgenommen wird. In der irrtümlichen Annahme, dass sich eine Ursache der Beschwerden aufdecken und behandeln ließe, werden oftmals vielfache operative Eingriffe (z.B. Zahnextraktionen, Operationen der Nasennebenhöhle) durchgeführt, die letztlich zu einer weiteren Chronifizierung und Ausbreitung der Beschwerden beitragen können.

Die oft langwierige erfolglose Ursachensuche und fehlgeschlagenen Behandlungen können für Betroffene zum starken Belastungsfaktor werden. Eine erhöhte Stressbelastung kann wiederum zu einer gesteigerten Schmerzwahrnehmung beitragen. In manchen Fällen nehmen die Schmerzen immer mehr Raum im Alltag ein, es besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer depressiven Verstimmung. Hiervon ausgehend können Entspannungsverfahren, Stressbewältigung und eine psychotherapeutische Unterstützung bei der Schmerzbewältigung einen wichtigen Behandlungsbaustein darstellen. Die medikamentöse Behandlung fokussiert sich v.a. auf Medikamente, die die Schmerzwahrnehmung beeinflussen wie z.B. ein niedrig dosiertes trizyklisches Antidepressivum.

Für Informationen zu Schmerzen im Bereich der Mundhöhle (z.B. aufgrund von Schleimhaut- oder Zahnentzündungen) wird auf die entsprechende Homepage der Deutschen Schmerzgesellschaft verwiesen (s.u.).

Autorin: Eva Liesering-Latta


Weitere Informationen

Mund- und Gesichtsschmerz:

https://www.schmerzgesellschaft.de/topnavi/patienteninformationen/schmerzerkrankungen/mund-und-gesichtsschmerz

Nervenschmerzen (Trigeminusneuralgie, Trigeminusneuropathie):

https://www.schmerzgesellschaft.de/topnavi/patienteninformationen/schmerzerkrankungen/nervenschmerzen